was von mir....
Sie saß einfach auf meiner Hand. Ein stiller Morgen, ein Bergsee irgendwo in Wyoming, und zwischen mir und dieser Motte passierte etwas, für das ich bis heute keine rechten Worte gefunden habe. Wir schauten uns an. Und in diesem einen Blick lernte ich mehr über mich selbst als in manchem ganzen Jahr davor.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl, dass wir uns selbst am fremdesten sind, mitten in unserem eigenen, durchgetakteten Leben. Und wir uns selbst oft erst begegnen, wenn wir aus unserer gewohnten Welt heraustreten. Ich habe irgendwann beschlossen, genau das zu tun. Heute habe ich die Möglichkeit, mich ganz dem zu widmen, was mich wirklich bewegt. Dem Erleben. Unterwegs zu sein, neue Orte zu entdecken, Menschen zu begegnen und offen für das zu bleiben, was das Leben mir vor die Füße legt.
Frei nach André Gide - „Man entdeckt keine neuen Ozeane, ohne den Mut zu haben, alte Ufer aus den Augen zu verlieren.“
Reisen bedeutet für mich nicht, irgendwo anzukommen. Es ist nicht das Abhaken von Orten, das Liegen am Strand oder das Abfotografieren von Sehenswürdigkeiten. Reisen heißt, in Bewegung zu sein, den Weg selbst zu spüren, sich dem Unbekannten zu öffnen und den Moment willkommen zu heißen, wie er sich gerade zeigt. Es ist das Abenteuer, unterwegs zu sein, raus aus der Statik unseres durchterminierten Alltags, das bewusste Loslassen von Plänen und Erwartungen, um dem Leben den Raum zu geben, uns zu überraschen.
Ich bin Alex. Meine Geschichte begann Anfang der 90er-Jahre, in einer Zeit, als ein Interrailticket noch 400 Mark kostete und die Freiheit irgendwo zwischen den Gleisen Richtung Marrakesch lag. Seitdem war ich mit fast jedem erdenklichen Verkehrsmittel auf dieser Welt unterwegs. Mit dreißig wurde ich Vater, und das Reisen veränderte sein Gesicht. Mein erstes Urlaubshotel betrat ich mit 35 Jahren auf Mallorca. Es folgten die klassischen Familienurlaube, oft pauschal organisiert - und doch waren sie auf ihre Weise kostbar. Wenn die Familie glücklich ist, ist man es selbst auch. Ich sehe noch vor mir, wie mein Sohn in Ägypten schwimmen lernte, wir Fische beobachteten, mit Kamelen durch die Wüste ritten, in Bergbächen nach Gold suchten und staunend vor Wasserfällen standen. Kleine Expeditionen, es war ein Geschenk, die Welt noch einmal durch Kinderaugen sehen zu dürfen.
Einen kleinen Teil meiner Freiheit habe ich mir trotzdem immer bewahrt. Mindestens einmal im Jahr zog ich allein los. Manchmal für Wochen, manchmal nur für ein paar Tage, mit dem Motorrad durch die Vogesen. Auszeiten, um wieder ganz bei mir selbst anzukommen.
Mein Log ist kein Reiseführer und will nichts verkaufen - keine Hotels, keine Restaurants, keine Attraktionen. Es geht um Momente, Begegnungen und Gefühle, die kleine Fenster öffnen, in der Welt und in uns selbst. Es geht darum, innezuhalten, wahrzunehmen und
vielleicht ein Stück tiefer zu blicken, hinter das Offensichtliche.
Ehrlich gesagt habe ich vieles davon erst viel später wirklich verstanden. Ich war oft im Moment gefangen, dass mir seine ganze Tiefe oft erst zu Hause aufging - beim Nachlesen und Recherchieren. Dann fügten sich die Puzzleteile meiner Begegnungen zu einem größeren Bild zusammen.
Solche Geschichten teile ich hier: Eine Mischung aus Erlebtem und Verstandenem, nicht chronologisch, sondern so, wie sie mir gerade in den Sinn kommen. Ich möchte nicht nur erzählen, was passiert ist, sondern auch, wie es mich berührt hat, oft erst auf den zweiten Blick.
Willkommen auf meiner Seite, schön, dass du dabei bist.
„Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben“.
Marie von Ebner-Eschenbach (1830 – 1916).
